Tag 02 – 18. Jänner 2015

Um 7:00 läutet mein Handy uns aus dem nicht durchgängigen Schlaf und wir schauen das erste Mal am Boden in das afrikanische Morgenrot. Es riecht schon verdächtig nach gemachtem Feuer, da können wir uns auf eine warme Dusche freuen. Und tatsächlich, beim Badehäuschen steigt unverkennbar blauer Rauch auf. Wir machen uns einen Tee, trinken Orangensaft und gehen dann Duschen. Die Sachen haben wir ja gestern schon halbwegs sortiert, das Zelt ist dann auch recht rasch zusammengelegt und eingepackt, so kommen wir pünktlich um 9 Uhr zum Treffpunkt für das 4×4 Training.

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Es beginnt mit einer Stunde grober Theorie, Wagenkunde. Einige Grundsätze im Gelände: „so langsam wie möglich, so schnell wie nötig“, „Fenster zu, erstens weil sonst Geäst hineinschlagen könnte und zweitens weil man sich im Fall des (seitwärts) Falles automatisch seitlich abstützt“, etc. Nichts wirklich Neues für mich, Nicole schnappt aber einige Begriffe auf, die sie nachher noch brauchen wird. Generell war die Entscheidung, dieses 4×4 Training zu buchen nachträglich betrachtet eine sehr gute Entscheidung. Erstens haben wir 5% Rabatt auf den kompletten Mietpreis erhalten, wodurch sich das Training praktisch von selbst bezahlt hat, zweitens konnten wir unter gesicherten Bedingungen alle möglichen Dinge ausprobieren (inklusive Schrägfahrten und Fluss-Sandbette), drittens haben wir (und vor allem Nicole) gesehen, was da alles möglich ist und viertens ist auch Nicole mit dem Auto die Übungen und im Sandbett gefahren, um ein Gefühl für das Auto zu bekommen, falls mit mir irgendwas sein sollte…

Nach der Stunde geht’s raus in ein Trainingsgelände auf seinem weitläufigen Grundstück, noch auf der Farm testen wir einmal den Gebrauch des High-Lift-Jack, inklusive möglicher Gefahrenherde. Ein super Gerät muss ich schon sagen, mit ein wenig Hirn und Vorsicht benützt, schlägt es die beiden mit dem Auto mitgelieferten Wagenheberchen (besser kann man diese winzigen Dingerchen kaum nennen) um Längen. Ich wüsste nicht, wie man mit diesen so ein Auto sinnvoll heben hätte können. Ich werd‘ jedenfalls nicht mehr ohne fahren.

Auf dem Trainingsgelände wird dann gleich zu Beginn eine Schrägfahrt simuliert. In manchen Fahrzeugen hat man ja ein Instrument, das die Schräge anzeigt, so ab 40° wird’s langsam gefährlich, je nach dem, wo der Schwerpunkt des Autos liegt. Mit unserem Dachzelt, dem 60 Liter Wassertank auf der Ladefläche und dem hinten angebrachten Reserverad ist der Schwerpunkt ein wenig erhöht, allerdings auch wieder ein bisschen kompensiert durch den am Fahrzeugboden angebrachten Zusatztank und das sehr tief liegende zweite Reserverad.

Wir fahren jedenfalls zu zweit auf einem aufgeschütteten Halbkreis Schräglagen, die dem oben sitzenden schon die Schweissperlen auf die Stirn steigen lassen. „Geht gut, weiterfahren, langsam“ tönt es aus dem Funkgerät vom draussen stehenden Uwe, dem Instruktor. Auch Nicole setzt sich dann hinters Steuer und fährt die Schräglagen, bei denen Sie vorher als Beifahrerin noch gezittert hat. Weitere Übungen sind „Überfahren eines Hügels“, Queren von tiefen Längsgruben, Fahren auf versetzten Hügeln und Tälern mit Verschränkungen, etc. Wir wechseln uns am Steuer ab und bekommen ein immer besseres Gefühl für das Fahrzeug.


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Es folgt dann eine Passage durch ein trockenes Rivier. Zu Testzwecken lasse ich die Luft nicht aus den Reifen und fahre mit ~ 2,5 Bar. Geht irgendwie, dennoch habe ich immer wieder das Gefühl, dass sich das Auto fast eingräbt und dem 3.0 Liter Motor gefällt es auch nicht wirklich. Der ist gegen Ende der 15 minütigen Fahrt dann ziemlich heiss.

Schließlich fahren wir Uwe nach auf einen Hügel auf seinem Farmgelände, wobei die dort enthaltene Schrägfahrt Nicoles Nervenkostüm schon überstrapaziert und auch ich muss tief und ruhig atmen, um diese Stelle zu passieren. Wenn man derartiges nicht gewohnt ist (und wer ist das als „normal“ Autofahrender in Westeuropa schon), sind Schräglagen von 30-34° schon wirklich sehr extrem. Vor allem, wenn es bis ins Tal dann doch über 150 Höhenmeter hinunter geht, mag man sich nicht vorstellen, wie lang man da kullert, bis man unten ist. Ich verlasse mich dann einfach darauf, dass ich sicherlich nicht der Erste mit so einem Fahrzeug bin, der da hinauf fährt, frage aber oben dann doch kurz nach, ob’s ned vielleicht einen anderen Weg hinunter gibt. Klar. Gibt’s natürlich nicht. ;-). Also nach einer kurzen Pause den selben Weg inklusive derselben Schräglage und demselben Adrenalinausstoss wieder hinunter. Schräglagen sind definitiv nix für uns ;-).

Am Ende fahren wir dann noch eine kurze Passage mit tiefem Sand, um auch da ein Gefühl zu bekommen, inklusive Auf- und Abfahrten in und aus dem Flussbett. Auch das meistert Nicole dann sehr gut und legt ihre anfängliche Scheu vor dem großen Auto ziemlich ab.

Aufgefallen ist uns, dass sich die beiden kleinen Steinschlagschäden in der Windschutzscheibe während des Trainings in wirklich große Sprünge verwandeln, da werden wir morgen mal anrufen und fragen, ob sich Savanna oder ein Mechaniker in Swakopmund das mal anschauen möchte.

Der Vormittag geht rasch vorbei, wir fahren zurück zur Farm, wo wir noch etwas trinken und uns noch ein wenig mit Uwe und Kathrin unterhalten. Schließlich machen wir uns um 14:30 auf den Weg nach Sesriem. Hatte ich zuerst noch eine rund 230km lange Fahrt geplant gehabt, streichen wir die und fahren auf dem direkten Weg über Solitaire zu den Dünen. Vor allem, weil wir uns heute schon Solitaire anschauen wollen, um am Fahrtag nach Swakopmund mehr Zeit zu haben.

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Solitaire ist mit seiner Tankstelle, den verrosteten Oldtimern und seiner Bäckerei mit dem Apfelkuchen weit über die Grenzen Namibias bekannt. Wir bleiben über eine Stunde, fotographieren ausgiebig Oldtimer, Erdhörnchen und Gegend, essen eine Kleinigkeit und schauen uns den Shop an. Auch das obligatorische Foto mit den Regenmengen der letzten Zeit darf natürlich nicht vergessen werden. Entweder sie haben vergessen einzutragen, oder es hat 2015 noch gar nicht geregnet…

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Gestärkt fahren wir die restlichen Kilometer gemütlich wieder mit Tempomat nach Sesriem, bleiben unterwegs immer wieder stehen, um zu fotographieren und die Landschaft zu genießen. Auf der Campsite angekommen, bezahlen wir für die zwei Übernachtungen insgesamt 616 N$, zuzüglich 314 N$ für den Eintritt in den Nationalpark. Wir genehmigen uns an der Bar gepflegte kalte Getränke, bevor wir unsere Campsite aufsuchen, das Auto positionieren und das Zelt aufstellen. Nachdem wir Zeit genug haben, schauen wir auch noch beim Schwimmbad vorbei, wo wir den Pool für uns alleine haben. Abends gibt’s in der Pfanne gebratenes Springbockfilet, bevor wir früh schlafen gehen. Morgen wollen wir ja früh aufstehen, um in die Dünen zu fahren.

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Ein Kommentar zu “Tag 02 – 18. Jänner 2015
  1. Nicole Decker sagt:

    Leute, ich kann nur sagen, auf den Filmen sieht man nicht wirklich, wie steil und schräg das teilweise wirklich war..

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